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  • Alice Niederlich

Lerne Loszulassen

Aktualisiert: 14. Juli 2021


Achtsamkeit

"Und dann lass einfach los..."

Wenn du schon einmal Yoga praktiziert hast, dann wird dir dieser Satz bestimmt sehr bekannt vorkommen.

Es klingt so, als wäre loslassen total einfach und wir wollen ja auch loslassen, denn wir wollen schließlich Leichtigkeit in unser Leben einladen, doch dann stellen wir oft fest, dass das gar nicht so einfach ist wie es klingen mag. Zusätzlich kommen dann vielleicht auch noch die Gedanken auf „ich MUSS jetzt sofort loslassen, sonst bin ich kein richtiger Yogi.“ „Ich mache alles falsch.“.

Ich kann dich an dieser Stelle beruhigen, du machst nichts falsch. Was glaubst du, wie oft ich schon in Savasana (Schlussentspannung) gelegen bin und im Kopf To-Do-Listen erstellt habe…

Nicht umsonst sagt man immer wieder „letting go is the hardest Asana“.


Doch lass uns nun erstmal mal tiefer in dieses Thema Loslassen einsteigen und erfahren, was es genau damit auf sich hat und wie du das Loslassen aktiv unterstützen kannst. Denn Loslassen ist nicht nur ein Thema im Yoga, Loslassen ist für jeden von uns Balsam für die Seele.


Loslassen bedeutet, dass wir uns frei machen, frei von Anhaftungen. Diese Anhaftungen können ganz unterschiedlich aussehen: Das können Gefühle sein, Beziehungen, Gedanken an die Vergangenheit und an die Zukunft …


Loslassen bedeutet auch, dass wir Vertrauen ins Leben haben, Vertrauen in uns selbst und dass wir uns dem Leben hingeben können. Wir sind uns bewusst, dass das Leben für uns ist und nicht gegen uns. Wir können vollkommen im Hier und Jetzt ankommen. Wir dürfen den Moment erleben – was für ein Geschenk! Denn der Moment ist frei von Sorgen und frei von Ängsten. Wir erlangen also innere Freiheit, Gelassenheit, Leichtigkeit, mehr Lebensfreude.


Doch drehen wir das ganze mal um, was passiert denn, wenn wir nicht loslassen und festhalten?

Wir sind gefangen in unseren Gedanken und verbringen sehr viel Zeit damit über Dinge nachzudenken, auf die wir vielleicht nicht einmal Einfluss haben. Diese Gedanken haben wiederum Einfluss auf unsere Emotionen.

Oft führt das zu einem Kreislauf: Wir haften an einem Gedanken an, spielen diese immer wieder durch, bauen ihn vielleicht sogar noch aus, Sorgen und Ängste treten auf, wir haften noch mehr an, spielen es wieder und wieder durch, die Emotionen nehmen zu… und die Leichtigkeit? Die hat sich inzwischen aus dem Staub gemacht.


Das Schöne ist jedoch, dass Loslassen mitunter eine Entscheidung ist, die bei uns selbst liegt.


Wenn wir also die Entscheidung getroffen haben, dass wir etwas loslassen möchten, wie können wir uns nun aktiv darin unterstützen?


  • Setzt dich nicht unter Druck

  • Meditation, in der Stille liegen so viele Antworten auf unsere Fragen. Wir alle haben eine innere Weisheit, eine Intuition, jedoch können wir sie oft einfach nicht hören, da unser Geist und unsere Gedanken so viel lauter sind. In Meditation können unsere Gedankenwellen zur Ruhe kommen und unsere innere Stimme findet Gehör.

  • Yoga (Drehungen haben z.B. einen Detox Effekt sowohl auf den Körper, als auch auf den Geist. Hüftöffner sind ebenfalls eine tolle Möglichkeit, denn in unserer Hüfte liegen sehr oft emotionale Blockaden (Hips don´t lie ;) ) welche durch Hüftöffner gelöst werden können. Hüftöffner können u.a. sehr intensiv sein, sowohl auf körperlicher als auch auf emotionaler Ebene, deshalb praktiziere mit Hingabe. Gib acht auf dich, höre auf die Grenzen deines Körpers und wenn die Emotionen kommen, lass sie raus.

  • Achtsamkeit praktizieren. Sei achtsam mit dir selbst, erlaube dir alle Emotionen auch da sein zu lassen, aber sei auch achtsam mit deiner Umwelt und begegne ihr mit Mitgefühl.

  • Nutze deinen Atem, denn im Prinzip praktizieren wir mit unserer Atmung immerzu das Loslassen, und sind uns dessen jedoch meist gar nicht bewusst. Mit jeder Einatmung laden wir uns mit Sauerstoff und neuer Lebensenergie (Prana) auf, mit jeder Ausatmung lassen wir verbrauchten Sauerstoff, der uns nicht mehr dient, los. Versuche einmal ganz bewusst zu atmen und beobachte, wie du mit jeder Ausatmung ein Stück Anspannung abgeben kannst und wie die Gedanken ruhiger werden.

  • Beobachte die Natur. Die Natur macht es immer wieder vor, der Winter geht, der Frühling erwacht, aus dem Frühling wird der Sommer, bis die Blätter bunt werden und die Natur sich in einer tollen Farbenpracht zeigt, bevor die Bäume ihren Blätterschmuck wieder loslassen und sich bereit machen für den Winter. Gehen wir mal vom Sommer aus, den viele von uns am liebsten das ganze Jahr über festhalten würden, ohne das Loslassen des Sommers, gibt es keine bunte Farbenpracht, die mit der goldenen Herbstsonne der Natur eine gewisse Magie verleiht. Es gäbe keinen Winter, der uns einlädt, uns einzukuscheln, Ruhe zu finden und sich zu besinnen. Worauf ich hinaus will ist, dass wir immer erst einmal etwas gehen lassen müssen, um Platz für etwas Neues zu schaffen, das uns neue Möglichkeiten bietet.

  • Journaling: Denk nicht lange nach, schreibe einfach mal intuitiv darauf los und schau, was du dir von der Seele schreiben möchtest. Das Aufschreiben kann sehr, sehr heilsam sein und häufig ist es so, dass wir schon während dem Schreiben spüren, dass wir bereits beginnen das Thema loszulassen.

  • Und zuletzt: Bleib dran! In die Stille zu gehen oder auch Asanas zu praktizieren, zeigt uns direkt in dem Moment schon seine positive Wirkung. Dennoch müssen wir es immer wieder wiederholen. Achtsamkeitspraxis ist keine Praxis, die wir einmal machen und dann wirkt diese auf den Rest unseres Lebens. Nein, wir müssen wirklich dranbleiben und regelmäßig praktizieren. Deshalb gestalte deine Praxis Alltagstauglich. Häufig neigen wir in unserer Euphorie dazu, dass wir direkt loslegen wollen (was großartig ist) aber wählen dann ein Programm aus, dass sich nur schwer in den Alltag integrieren lässt. Was folgt ist Frust. Du musst ganz ehrlich nicht jeden Morgen erstmal 60 Minuten meditieren, du kannst das auch auf 5 oder 10 Minuten reduzieren. Wichtiger als die Länge der Praxis ist die Regelmäßigkeit.


Du wirst sehen, mit jedem Mal fällt dir das Loslassen leichter, du wirst mehr Gelassenheit erfahren und du wirst spüren, wie die Leichtigkeit sich wieder in ihrer vollen Schönheit zeigt.







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