Der Einstieg ins Yoga

Aktualisiert: 10. Jan.

„Für Yoga bin ich nicht flexibel genug.“ vielleicht hast du dir diesen Satz auch schon mal gedacht oder sogar ausgesprochen.

Ich möchte dich in diesem Artikel gerne ein bisschen mit in die „Welt des Yoga“ nehmen, um dir zu zeigen, was das eigentliche Ziel des Yoga ist und dass Flexibilität keine Voraussetzung ist. Und vielleicht kannst du diesen Satz danach einfach aus deinem Gedächtnis löschen.


Wenn wir in der Geschichte des Yoga weiter bzw. sehr viel weiter zurückgehen, dann werden wir in den Yogaschriften keine Anleitungen für Asanas (Körperübungen) finden. Im Yogasutra von Patanjali ist es schon schwierig, überhaupt das Wort Asana zu entdecken und dann ist damit nicht das gemeint, was wir hier und heute unter Yoga verstehen.

Die Asana, die dort erwähnt wird, beschreibt den Sitz, welchen man während der Meditation einnimmt. Ein Sitz, der stabil und leicht zu gleich sein soll.

Wenn du schon einmal sehr lange gesessen bist, dann wirst du wissen, dass es nicht so leicht ist stets aufrecht und dennoch entspannt zu sitzen. Doch das ultimative Ziel des Yoga ist die innere Freiheit, die wir durch Stille und die Meditation erfahren können. Im besten Fall können wir also lange still, aufrecht und mit Leichtigkeit sitzen. Die Asanas, die wir heute kennen, helfen uns dabei beweglicher und kräftiger zu werden, wodurch wir später den Meditationssitz besser einnehmen können. Der Fokus liegt hier allerdings auf dem „werden“, wir werden durchs Yoga flexibler, wir werden durchs Yoga kräftiger, wir müssen es vorher noch nicht sein.


Im 14. Jhd. n. Chr. entstanden die ersten Schriften des Hatha Yoga und das war auch das erste Mal, dass der Köper mehr in den Fokus der Praxis gerückt ist.

Denn alles, was wir Menschen erfahren können, erfahren wir schließlich über den Körper. Hatha Yoga ist somit nicht nur ein Yoga Stil, sondern auch der Ursprung aller Yoga Stile, die wir heute kennen (Vinyasa, Ashtanga, Iyengar, Kundalini,…).

Die Asanas haben unterschiedliche energetische Wirkungsweisen, eine Rückbeuge zum Beispiel schickt unsere Energie nach oben, wir fühlen uns wacher, energetisierter, unser Herz wird offener, weshalb Rückbeugen auch häufig als Herzöffner bezeichnet werden. Anders wirken Vorbeugen, sie erden und stabilisieren uns, wir können Ruhe im Geist kultivieren. Wenn wir uns also mit der Wirkungsweise der Asana beschäftigen, können wir ganz gezielt unsere Energie dort hinlenken, wo wir sie haben möchten oder vielleicht auch brauchen.


Du siehst, bisher hat das Ziel des Yoga nicht besonders viel damit zu tun, dass du als hübsche Brezel performst.


Ich weiß, dass das besonders auf sozialen Medien oft anders aussieht. Man findet wirklich die wildesten Posen und Verrenkungen und ja, das kann einen einschüchtern und das Bild vermitteln, dass wir superflexibel sein müssen. Doch du kennst die Geschichte vieler Menschen hinter den entsprechenden Bildern nicht. Du weißt nicht, wie lange diese Person schon praktiziert, ob sie vielleicht schon lange Ballett tanzt oder vielleicht als Kind schon viel geturnt hat und das also schon ein Leben lang macht. Mache dir bewusst, wir sehen auf Fotos und sozialen Medien immer nur das, was die Menschen uns zeigen wollen. Ich muss zugegeben, dass mich das anfangs auch eingeschüchtert hat und auch manchmal dazu geführt hat, dass ich es mit der Asanapraxis übertrieben habe. Denn ja, es macht auch Spaß mal „fancy“ Posen zu üben, doch es sollte zum einen mit Spielfreude praktiziert werden und zum anderen nicht der Fokus der Praxis sein. Heute nehme ich das alles mit viel mehr Gelassenheit denn ich weiß, was das eigentliche Ziel des Yoga ist. Und wenn jemand auf den sozialen Medien zeigen möchte was er kann, dann soll er das von mir aus machen, auch wenn das bestimmt nicht immer alles Yoga ist. Es ist meine Entscheidung, ob ich mir diese Posts anschauen will und es gibt jederzeit die Möglichkeit auf „unfollow“ zu klicken, wenn es mich von meinem Weg abbringt.


Damit möchte ich dir sagen, lass dich nicht einschüchtern, lass dir davon den Spaß nicht nehmen und wenn du Yoga ausprobieren willst, dann tue es. Wir haben alle ganz unterschiedliche Limitationen in unserem Körper. Einer hat vielleicht mehr Kraft, andere sind vielleicht von Natur aus schon flexibler. Diese Limitationen und Grenzen können und werden sich mit der Zeit und der regelmäßigen Praxis verschieben und du hast immer die Möglichkeit Übungen zu modifizieren und deine persönliche Variante der Position zu finden. Yoga ist kein Wettbewerb, Yoga ist eine Praxis der Achtsamkeit. Lenke deine Achtsamkeit nicht auf den Menschen und die Matte neben dir, sondern auf dich, auf deinen Körper und auf deinen Atem. Yoga ist für alle da und auch du hast das Recht darauf die wundervollen Qualitäten des Yoga zu erfahren. Du bist großartig, du bist schön so wie du bist und du bist flexibel genug! Namasté,

Deine Alice



Yogapraxis

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